DIE SATTELMACHER

Die Zahl der Packpferde geht angesichts von Straßenbauprogrammen stark zurück, die sich immer weiter ins Gebirge erstrecken, doch die Tage der Karawanen sind noch nicht gezählt. 

Die Zahl der Packpferde geht angesichts von Straßenbauprogrammen stark zurück, die sich immer weiter ins Gebirge erstrecken, doch die Tage der Karawanen sind noch nicht gezählt. Ein wichtiges Handwerk in diesem Zusammenhang ist nach wie vor das des Sattlers, allerdings gibt es nur noch einige wenige Werkstätten. Der hier abgebildete Lin Zhi stellt in der dritten Generation in der von einer Stadtmauer umgebenen Stadt Weishan südlich von Dali an der Tee-Pferde-Straße Sättel und Zaumzeug her. Die Gestaltung der von Hand gefertigten Packsattel hat sich seit Jahrhunderten bemerkenswerterweise nicht verändert. Dies ist zum einen der Tradition geschuldet, jedoch lohnt sich auch eine genaue Betrachtung der genialen Gestaltung. Die Maultiere und Ponys mussten beträchtliche Lasten tragen, sodass die Ansprüche an einen bequemen, effizienten Sattel sehr hoch waren. Standardmäßig trug ein Tier auf jeder Seite des Sattels ein Dutzend der aus sieben Bing bestehenden Packen, die in Bambusblätter eingepackt waren. Da jeder Bing ein Drittel eines Kilos wiegt, musste ein Tier knapp mehr als 50 Kilo tragen – und das tagelang auf ruppigen Pfaden. Laut Berichten aus dem 19. Jahrhundert zogen die Karawanen jeden Tag sehr früh los und es gab jeden Tag zur Mittagszeit eine zwei- bis dreistündige Pause. Pro Tag konnten etwa 30 Kilometer zurückgelegt werden. Der hölzerne Rahmen verfügt über zwei seitliche Paneele, die an die Körperform des Pferdes angepasst sind. Mittig befindet sich eine Lücke, damit kein Gewicht direkt auf der Wirbelsäule des Tiers lastet und damit die Luft zirkulieren kann. Auch das Zaumzeug weist einige Besonderheiten auf, die der schweren Last und dem rauen Gelände geschuldet sind: Der Riemen, mit dem der Sattel am Schweifansatz befestigt wird, ist mit spulenartigen Holzrädchen versehen, die angenehm über den Rücken des Pferdes rollen, sodass sich die Tiere nicht wundscheuern.