Die Pferdekarawanen

DIE PFERDEKARAWANEN

In den zwölf Jahrhunderten, in denen die Tee-Pferde-Straße existierte, änderte sich nur wenig an der Art und Weise des Teetransports von den Teebergen im Süden nach Lhasa.

In den zwölf Jahrhunderten, in denen die Tee-Pferde-Straße existierte, änderte sich nur wenig an der Art und Weise des Teetransports von den Teebergen im Süden nach Lhasa.Pferdekarawanen zogen in Etappen die Tee-Pferde-Straße entlang. Ausgangspunkt war die Stadt Pu'er (Simao), die als Sammelstelle fungierte. Die Karawanen unterschiedlicher Größe konnten mitunter aus 50 bis 100 Ponys und Mulis und bis zu 20 Maultiertreibern bestehen. Der Anführer einer solchen Karawane wurde als Ma Guo Tou(Herr der Pferde und Töpfe) bezeichnet und sein Stellvertreter als ER Guo Tou(Zweiter Herr der Töpfe). Weiter nördlich in Tibet wurden Maultiertreiber als Lado(Steinerne Hand) bezeichnet. Bei diesen Karawanen spielten zahlreiche Brauchtümer eine große Rolle. Die Pferde, die den Zug anführten, waren bunt geschmückt und an ihnen war häufig die Flagge der jeweiligen Gruppe angebracht. Der russischstämmige Peter Goullart, der in den 1940er Jahren mehrfach auf dem Weg nach Lijiang diese Route nahm, beschrieb den morgendlichen Aufbruch einer Karawane wie folgt: „Beim Klang des Gongs wurde das fröhlich mit roten Bändern, Pompons und kleinen Spiegel auf der Stirn geschmückte Pferd, das die Karawane anführen sollte, hinausgeführt. Mit einem Blick zurück wurde überprüft, ob alles bereit ist – und schon ging es schnell die Straße entlang. Nun folgte der etwas weniger prunkvoll geschmückte zweite Anführer, der dennoch eine große Autorität ausstrahlte. Sofort folgte ihnen die ganze Karawane.“Das Schlagen des Gongs (tatsächlich handelte es sich um den Deckel des großen Kochtopfs) war nicht nur zeremonieller Natur. Er erfüllt etwa die Funktion, die Autohupen im indischen Straßenverkehr haben: Er war unabdingbar, um Unfälle zu vermeiden und andere zu warnen, die sich weiter vorne auf der Strecke befanden – vor allem entgegenkommende Karawanen. Die stolzen Anführerpferde schnellten manchmal nach vorne, um ihre Rivalen von der Strecke zu drängen. Goullart beschrieb eine solche Situation wie folgt: „Als fluchende Karawanenteilnehmer die Tiere endlich getrennt hatten, sah die Szene aus wie ein Schlachtfeld.