Die Suche nach Shangri-La

DIE SUCHE NACH SHANGRI-LA

2001 wurde die alte tibetische Stadt Gyalthang, die einst eine wichtige Etappe an der Tee-Pferde-Straße war und auf Chinesisch Zhongdian hieß, in Shangri-La umbenannt. 

2001 wurde die alte tibetische Stadt Gyalthang, die einst eine wichtige Etappe an der Tee-Pferde-Straße war und auf Chinesisch Zhongdian hieß, in Shangri-La umbenannt. Schließlich hatte noch keine andere Stadt der Welt diesen verheißungsvollen Namen für sich in Anspruch genommen, der auf jeden Fall romantische Assoziationen weckt. Fast siebzig Jahre zuvor, nämlich im Jahr 1933, hatte der britische Schriftsteller den Namen für einen paradiesischen, fiktiven Ort in den Höhen des Himalayas ersonnen und zum Schauplatz seines Buches Der verlorene Horizont gemacht. Der Roman ist zwar kein Meisterwerk der Weltliteratur, erfreute sich jedoch immenser Beliebtheit und wurde als weltweit erster Titel als Taschenbuch herausgegeben. Außerdem wurde das Buch verfilmt und der Hollywood-Frauenschwarm Ronald Coleman erhielt für seine Hauptrolle in dem Film einen Oscar. Den Autor James Hilton machte es zu einem reichen Mann. Die Idee eines spirituellen, utopischen Rückzugsorts beflügelte die Fantasie der Öffentlichkeit – zumal die Welt gerade in Krieg und Chaos versank. Hängen geblieben ist jedoch vor allem der Ortsname Shangri-La. Hilton erfand den Namen basierend auf tibetischen Wörtern. Shangri-La bedeutet in etwa „der Gebirgspass von Shang“. Allerdings erlangte der Name bald eine eigenständige Bedeutung. Seit der Veröffentlichung des Romans gab es entgegen jeglicher Vernunft unendliche Bemühungen den Ursprung des „echten“ Shangri-La zu finden, was die verheißungsvolle Wirkung des Ortsnamens unterstreicht. Hilton hatte die Hintergründe ausführlich in der Bodleian Library in Oxford recherchiert und wusste viel über Tibet. Er hatte das Gebiet im Westen Tibets in der Nähe des Berges Kailash im Sinn. In der Tat gibt es eine Inspiration für Shangri-La – nämlich der althergebrachte tibetische Glaube an versteckte Rückzugsorte im Himalaya, die „Beyul“. Der Glaube besagt, dass diese vom Guru Rinpoche, der den Buddhismus von Indien nach Tibet brachte, unsichtbar gemacht wurden.