BUDDHISMUS VON SÜD NACH NORD

Entlang der gesamten Route befinden sich buddhistische Klöster, was an sich noch nicht bemerkenswert ist. 

Entlang der gesamten Route befinden sich buddhistische Klöster, was an sich noch nicht bemerkenswert ist. Für Staunen sorgt jedoch, dass entlang der Tee-Pferde-Straße von Süd nach Nord alle drei großen Schulen des Buddhismus abgedeckt werden: Theravada (Schule der Ältesten) im Süden, Mahayana (Großes Fahrzeug) in Yunnan und der tibetische Buddhismus im Norden. Zufällig erreichte der Buddhismus die Region zur Zeit der Anfänge der Tee-Pferde-Straße. Religion, Kultur und Tee sind hier stark miteinander verknüpft.

Ganz im Süden der Provinz Yunnan lebt in den Teebergen das Volk der Dai. Diese ethnische Gruppe ist mit den Thai und den Lao verwandt und praktiziert ebenso wie diese Völker die ältere, konservativere Form des Buddhismus, die als Theravada bezeichnet wird. Wer Thailand und Laos kennt, wird sich an die dortigen Klöster mit ihrem vergoldetem Holz und den geschwungenen Dächern mit niedriger Traufhöhe erinnert fühlen. In der Tat kamen die Völker, bevor die Region zu einem Teil Chinas wurde, über die Jahrhunderte hinweg immer wieder miteinander in Kontakt. Aus diesem Grund sind sie durch Sprache und Kultur miteinander verbunden.

Nördlich dieser Region herrscht der weiter verbreitete Mahayana-Buddhismus vor. In dieser Schule des Buddhismus werden mehr Wesen angebetet und verehrt – vor allem die Bodhisattvas, also diejenigen, die auf dem Pfad zur Erkenntnis weit vorangekommen sind, sich allerdings entschieden haben, nicht in das Nirwana einzugehen, sondern stattdessen zuvor allen anderen Menschen zu helfen. In China wird Guanyin am meisten verehrt und häufig als ein weiblicher Bodhisattva dargestellt. In dieser Form erreichte der Buddhismus China bereits relativ früh, nämlich bereits im zweiten Jahrhundert. 

Wieder im Norden angelangt führt die Straße in das ethnische Tibet, wo der Mahayana-Buddhismus im siebten Jahrhundert ankam (in der Anfangszeit der Tee-Pferde-Straße). Hierbei wurde ein ganzes Pantheon an Göttern und Dämonen aus dem ursprünglichen Bön-Kult Tibets übernommen. Das Ergebnis ist ein wahres Feuerwerk an Bildern, Ikonographien und Zeremonien – was sich in den Klöstern Songtsenling in der Nähe von Shangri-La und Döndrubling in Benzilan bewundern lässt. Bei beiden handelt es sich um Gelug-Schulen (auch als Gelbmützen-Schulen bezeichnet).