EIN POTPOURRI DER KULTUREN

Grenzgebiete zeichneten sich schon immer durch einen besonderen Reiz aus. 

Grenzgebiete zeichneten sich schon immer durch einen besonderen Reiz aus. Sie befinden sich am Rand, weit entfernt von den Zentren der Zivilisation, und halten Geheimnisse und Möglichkeiten für Entdeckungen bereit. Auf Yunnan trifft diese Beschreibung sehr gut zu, denn die Bergketten und die tiefen Täler schaffen vor allem im Westen isolierte Welten, denn hier sorgen die von Nord nach Süd verlaufenden Himalaya-Ausläufer für eine zerklüftete Topographie. Diese Täler und Berge, die bis zur neuen Ära der Straßen und Flugzeuge nur schwer zu erreichen waren, wurden von Stammesgesellschaften bevölkert. Und auch heute noch finden sich in Yunnan insgesamt 25 offiziell anerkannte Minderheiten, die nach wie vor ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Auf der Route der Tee-Pferde-Straße von den Teebergen im Süden nach Tibet im Norden begegnet man etwa der Hälfte davon.

Ganz im Süden leben entlang der Grenze zu Myanmar und Laos eine Reihe von Bergstämmen, darunter die Bulang, die Akha (Chinesisch „Aini“), die Lahu und die Wa. Unter diesen finden sich auch die ersten Teeanbauer – und nach wie vor bauen diese Völker an manchen der renommiertesten Pu-Erh-Tee-Berge an. Die Tieflandebenen um diese Berge herum sind die Heimat der Dai und weiter nördlich auf dem Weg nach Dali leben Yi-Gruppen und es finden sich einige verstreute Dörfer, die von muslimischen Hui bewohnt werden – Nachfahren von Angehörigen der Truppen Kublai Khans, die hier im 13. Jahrhundert einmarschierten. Um Dali herum und fast bis nach Lijiang im Norden, wo die Naxi beheimatet sind, dominiert die ethnische Gruppe der Bai. Weiter im Norden auf der Hochebene von Shangri-La prägen tibetische Gemeinden die Region. Diese herrschen den ganzen Weg bis nach Lhasa vor.